14.07. Homer – Katmai Nationalpark, Hallo Bay

Um 06:00 Uhr morgens sollen wir auf dem Flughafen von Homer sein. Dort befindet sich ein kleiner Hangar von Alaska Bear Adventures und K Bay Air. Wir wachen schon um 3:30 Uhr auf und können nicht mehr einschlafen, da wir wegen den Braunbären und des Fluges etwas aufgeregt sind. Wir haben schon Bilder im Internet gesehen, auf denen die Bären sehr nahe an den Menschen herankommen. Am Flughafen bekommen wir eine kurze Sicherheitseinweisung für den Flug. Die Ausrüstung (Schwimmwesten und so genannte Hip Waderers) wird uns auch gleich ausgehändigt.

Kurz nach 07:00 Uhr geht der Flug dann los. Unser Pilot und Guide heißt Joe. Er bringt uns in 1h und 10min zu den Küstenbraunbären der Hallo Bay im Katmai Nationalpark. Prima, genau dort wollen wir auch hin. Der Himmel ist zwar stark bewölkt, dennoch können wir beim Start eine tolle Aussicht auf Homer und die Umgebung genießen. Beim Landeanflug auf den Strand der Hallo Bay sehen wir Vulkane, Gletscher und sehr schöne Bergseen. Eine wirklich super tolle Landschaft. Kurz vor der Landung fliegt Joe einige Runden vor der Küste. Zum einen kann er so die Landebahn prüfen, ob nichts im Wege liegt und zum anderen auch schon die Bären lokalisieren. Letzteres ist nicht weiter schwierig, wir sehen gleich ganz viele Braunbären auf den Salzwiesen der Hallo Bay. Ein toller Anblick. Die Landung am Strand ist überraschender Weise sehr angenehm. Nachdem wir uns mit einem Insekten Abwehrmittel parfümiert haben, machen wir uns auf den Weg. Wir lassen den Strand hinter uns und marschieren hintereinander zu den großen Wiesenflächen. Nach wenigen Metern sehen wir die ersten Küstenbraunbären. Zwei noch junge Bären, die zusammen auf der Wiese grasen. Die zwei Bären werden nervös, als sich ein großes Männchen nähert. Sie stellen sich gleich auf die Hinterbeine und beobachten den Bären. Als er immer näher kommt und dann auf sie zu rennt, machen sie sich aus dem Staub. Ein paar Meter weiter auf der anderen Seite eines kleinen Flusses hält sich eine Mutter mit 2 Cubs auf. Die Mutter ist sehr groß und beeindruckend. Die zwei Jungbären spielen miteinander und balancieren über einen Baumstamm. Danach müssen sich die kleinen Bären stärken. Die Bärenmutter legt sich ganz in unserer Nähe auf den Rücken und säugt die Kleinen. Wir können sogar das Schmatzen hören und sind total begeistert. Anschließend laufen wir einige Meter weiter und sehen noch einige weitere Bären. Dann folgt unser Highlight des Tages: Tim entdeckt eine Bärin mit zwei noch recht kleinen Bärenkindern. Laut unserem Guide sind die Kleinen etwa 5 Monate alt. Die Babys sind sehr verspielt, tollen herum und spielen fangen. Wir knien uns auf den Boden und beobachten die Bären sehr lange aus kurzer Entfernung. Die Mutter ist sehr entspannt und lässt sich durch uns überhaupt nicht stören. Wenn sich allerdings andere ausgewachsene Bären nähern, wird sie immer nervös, stellt sich auf die Hinterbeine und ist wachsam. Es kommt nämlich des öfteren vor, dass ausgewachsene männliche Bären junge Bären angreifen. Die Zeit vergeht viel zu schnell und nach insgesamt 3 Stunden müssen wir uns leider wieder auf den Weg zurück zum Flugzeug machen. Unterwegs sehen wir noch einige Bären.

Dieser Ausflug in den Katmai Nationalpark war wirklich ein ganz besonderes Erlebnis. Die riesigen Bären hautnah zu erleben war sehr beeindruckend und erstaunlicher Weise nicht beängstigend.

Zurück in Homer unterhalten wir uns noch mit unserem Piloten/Guide Joe. Wir erzählen ihm, dass wir vor dem Urlaub schon einige Tierfilme über den Katmai Nationalpark gesehen haben und wir überrascht waren, so nahe an die Bärenmutter und ihre Cubs zu kommen. Ein deutscher Tierfilmer erklärte in seinem Film, dass er Jahre gebraucht habe um so nahe (ähnlich nahe wie wir an diesem Tag) an eine Bärenmutter mit Cubs zu kommen. Joe erklärt uns, dass die Bären die Menschen nicht als Gefahr wahrnehmen, weil sie im Nationalpark seit vielen Jahren nicht mehr gejagt werden. Er findet die Aussage des Filmemachers sehr lustig (genau den Tierfilmer hat auch er schon zur Hallo Bay geflogen) und meint „You did it in three hours!“

15.07. Homer

Gut ausgeschlafen sind wir gegen Mittag in einem Restaurant in Homer Spit mit Meerblick essen gegangen. Tim Heilbutt, Doro und ich Lachs. Danach fahren wir zum Adlernest an der Dumpingstation und beobachten die beiden Adler und die Küken. Anschließend gehen wir noch einkaufen und den Strand entlang spazieren.

16.07. Homer – Lake Clark Nationalpark

Wir fahren um 07:15 Uhr an den Hangar von Alaska Bear Adventures bzw. K Bay Air. Unser Flug zum Lake Clark National Park verschiebt sich um eine Stunde. Das Wetter ist nicht gut. Dann geht es so gegen 09 Uhr endlich los. Der Flug ist sehr schön und dauert gerade mal eine Dreiviertelstunde. Wir fliegen auch wieder mit Joe. Prima. Aber dann die „Hiobsbotschaft“. Wir können nicht am Strand landen, es ist zu neblig und die Sicht sehr schlecht. Safety First, wir fliegen leider wieder nach Homer zurück. Wir können den Ausflug aber noch am gleichen Tag nachmittags nachholen. Sehr gut. Gegen 13:45 Uhr sollen wir wiederkommen. Das tun wir auch. Die 3 Stunden Wartezeit nutzen wir zum Tanken, Dumpen, Wasser auffüllen und außerdem trinken wir einen Cappuccino und essen eine Kleinigkeit. Um 14:30 Uhr startet dann endlich der Flieger. Unser Pilot ist diesmal nicht Joe sondern Derek. Tim darf wie schon morgens als „Copilot“ vorne neben dem Piloten Platz nehmen. Um 15:15 Uhr landen wir dann an der Küste des Lake Clark Nationalparks. Genauer gesagt in der Chinitna Bay. Wir bekommen kurz eine Sicherheitseinweisung und machen uns sogleich auf den Weg zu den Küstenbraunbären. Die erste Station ist ein Aussichtspunkt auf eine weite Wiese, auf der sich ganz viele Braunbären tummeln. Ein toller Anblick, aber zum Teil sind die Bären auch schon etwas weiter weg. Als dann auch noch ein Bus mit der Aufschrift Bear Viewing vorbeifährt, ist uns klar: Es ist kein Vergleich zur Hallo Bay. Wir ziehen weiter und gehen in die Wiese zu den Braunbären. Unser Ziel ist eine Braunbärin mit 2 kleinen Jungen. Wir beobachten die 3 Bären eine Weile. Wir können sogar sehen, wie die Mutter ihren Nachwuchs stillt. Dann zieht etwas Nebel auf und Derek sagt „Safety First“. Er fordert uns auf, mit ihm zum Flugzeug zu gehen. Wir fliegen die Gegend ab und suchen einen Strand ohne Nebel, so dass die Maschine nicht nur landen, sondern auch in weiteren 2 Stunden wieder starten kann. Zum Glück finden wir schnell eine geeignete Stelle. Kaum ausgestiegen, sehen wir auch schon einen anderen Braunbär mit 2 Cubs. Den beobachten wir eine Weile. Plötzlich kommt die Bär und die Jungbären direkt auf uns zu. Die Guides reden beruhigend auf sie ein. Die Bärin mit den beiden Cubs geht ca. 2 Meter ganz knapp an unserer Gruppe vorbei. Wir halten alle für einen Moment die Luft an. Die Bärin hatte uns im Blick und auch die Kleinen schauten zu uns, ließen sich aber nicht aus der Ruhe bringen und zogen weiter. Wir machten natürlich weiter eifrig Bilder. Das war ein unvergesslicher Moment. Die Bärin entfernt sich und wir gehen weiter zum nächsten Bären, der im „Hypernate Modus“ ist. Das ist mit einem Powernapp zu vergleichen. Die Bären schlafen dann so 45min und der Herzschlag geht auf 8 Schläge pro Minute zurück. Das erzählen uns die Guides. In der Ferne sehen wir noch einige andere Braunbären. Leider müssen wir uns schon wieder auf den Rückweg zum Flugzeug machen. Am Strand war Ebbe und einige Bären laufen im Watt umher, jedoch recht weit weg. Derek startet den Flieger und hebt gekonnt am Strand entlang das Flugzeug in die Luft ab. Schon toll, wie gut die Piloten die Maschinen fliegen können. Davon werden wir dann noch mehr überzeugt, als Derek den Flieger auf dem Rückweg nach Homer noch einmal über die Chinitna Bay kreisen lässt und einen Umweg über die Berge macht. Wir fliegen quasi durch die Berge, haarscharf an den Bergspitzen vorbei und sehen mehrere Gletscher, zum Teil wirklich in beeindruckender Größe. Ein Highlight des Rückflugs ist ein Vulkan, an dem wir sehr knapp vorbei geflogen sind, so dass wir klar und deutlich den aufsteigenden Qualm sehen können. Ein wirklich toller Flug. Derek liegt während der ganzen Tour im Wettstreit mit Joe. Er hat über Funk immer wieder gefragt, welche Tour unter welchem Pilot und Guide Tim besser gefällt. Der Favorit ist auch am Schluss immer noch die Tour zur Hallo Bay mit Joe. Aber die extrem nah an uns vorbeilaufende Braunbären Mutter mit den beiden Kindern und auch der Rückflug von der Chinitna Bay im Lake Clark Nationalpark sind schon auch Highlights, welchen die beiden Touren annähernd gleichermaßen toll machen. Aber in Summe hat uns die Hallo Bay einfach besser gefallen. Dort war hinter fast jeder Ecke ein Bär, den wir fast immer aus nächster Nähe beobachten konnten. So um 19:00 Uhr sind wir dann gut gelaunt in Homer gelandet und verabschieden uns von den Piloten. Diese beiden Ausflüge werden wir nicht vergessen. Absolut einzigartig!

Wir übernachten direkt am Strand in Homer Spit, gleich auf dem ersten staatlichen Campingplatz. Ohne Strom, Wasser und WiFi. Aber dafür mit einer ganz tollen Aussicht auf das Meer. Wir sitzen noch bis um 23 Uhr im Freien und genießen den Blick auf das Meer und die Berge.

Weiter mit Teil 3: Seward, Eagle River, Beaver Creek, Kluane Lake, Haines

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Beruflich gesehen ist die Softwareentwicklung meine Heimat. Meine Hobbies sind neben dem Fußball auch das Fotografieren und Reisen. In diesem Blog möchte ich Bilder veröffentlichen und meine Erfahrungen zum Fotografieren mit den Lesern teilen und diskutieren!

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